Abschreibung: Definition handelsrechtlich und steuerrechtlich

Abschreibung: Definition handelsrechtlich und steuerrechtlich

Was versteht man unter Abschreibung bzw. einer Absetzung fĂŒr Abnutzung?

Was versteht man handelsrechtlich unter einer Abschreibung?

Das Handelsrecht versteht unter Abschreibungen den Werteverzehr von VermögensgegenstĂ€nden und verfolgt damit den Zweck der Darstellung der Vermögenslage sowie des JahresĂŒberschusses. Im Vordergrund stehen die periodengerechte Verteilung der Anschaffungs- und Herstellungskosten von AnlagegĂŒtern sowie die Bewertung von VermögensgegenstĂ€nden des Anlage- und Umlaufvermögens. Die Abschreibungen erfassen planmĂ€ĂŸige oder außerplanmĂ€ĂŸige Wertminderungen dieser VermögensgegenstĂ€nde. Handelsrechtlich sind die Abschreibungen in § 253 Abs. 3 bis 5 HGB geregelt. Nach dem Handelsrecht sind folgende Abschreibungen vorzunehmen:

  • planmĂ€ĂŸige Abschreibungen gem. § 253 Abs. 3 SĂ€tze 1 und 2 HGB,
  • außerplanmĂ€ĂŸige Abschreibungen gem. § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB, um die VermögensgegenstĂ€nde mit dem niedrigeren Wert anzusetzen; bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung besteht dazu eine Verpflichtung,
  • Abschreibungen gem. § 253 Abs. 4 Satz 1 HGB bei WG des Umlaufvermögens auf den niedrigeren Börsen- oder Marktpreis am Abschlussstichtag,
  • Abschreibungen gem. § 253 Abs. 4 Satz 2 HGB bei WG des Umlaufvermögens auf den niedrigeren beizulegenden Wert,
  • Abschreibungen gem. § 253 Abs. 4 Satz 3 HGB bei WG des Umlaufvermögens wegen zukĂŒnftiger Wertschwankungen,
  • Abschreibungen gem. § 253 Abs. 5 HGB bei WG des Anlage- und Umlaufvermögens im Rahmen vernĂŒnftiger kaufmĂ€nnischer Beurteilung.

Was ist eine Absetzung fĂŒr Abnutzung im Steuerrecht?

Was ist die Definition der Abschreibung im Steuerrecht?

Die von § 7 EStG umfassten linearen, degressiven Absetzungen fĂŒr Abnutzung (AfA) fallen unter den Begriff der planmĂ€ĂŸigen AfA i.S.d. § 253 HGB und sind handelsrechtlich daher erlaubt. Sofern das Steuerrecht eigene AfA-Methoden vorsieht (z.B. § 7g EStG), die von denen des Handelsrechts abweichen, sind die steuerlichen Regelungen fĂŒr die Steuerbilanz maßgeblich. Handelt es sich um steuerliche Wahlrechte, dĂŒrfen diese auch unabhĂ€ngig von der Handelsbilanz ausgeĂŒbt werden.

Das Steuerrecht regelt in § 7 EStG:

  • die AfA in gleichen JahresbetrĂ€gen bei beweglichen WG (§ 7 Abs. 1 SĂ€tze 1 und 2 EStG);

die AfA von WG, die vor Einlage in ein Betriebsvermögen im Privatvermögen der Einkunftserzielung dienten. Eine AfA kann nur insoweit vorgenommen werden, als sich nach BerĂŒcksichtigung der im Privatvermögen vorgenommenen AfA von den tatsĂ€chlichen angefallenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten noch ein Restwert ergibt (§ 7 Abs. 1 Satz 5 EStG).

Die AfA-Bemessungsgrundlage bemisst sich nach geltender Rechtslage abweichend vom Einlagewert nach § 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG, wenn die WG vor der Einlage zur Einkunftserzielung im Privatvermögen genutzt worden sind. Um in diesen FĂ€llen eine doppelte Inanspruchnahme von Abschreibungsvolumen zu vermeiden, ist die weitere Absetzung fĂŒr Abnutzung nach dem Gesetzeswortlaut des § 7 Abs. 1 Satz 5 EStG von den um die bisher geltend gemachten Absetzungen fĂŒr Abnutzung geminderten Anschaffungs- oder Herstellungskosten vorzunehmen.

Wann beginnt der Abschreibungszeitraum bei der Absetzung fĂŒr Abnutzung?

Bei einer Anschaffung ist es erforderlich, dass Besitz, Gefahr, Nutzungen und Lasten auf den Erwerber ĂŒbergehen und dieser damit das wirtschaftliche Eigentum an dem Wirtschaftsgut erlangt. Sind am Bilanzstichtag nicht alle Einzelkriterien erfĂŒllt, bedarf es einer wertenden Beurteilung anhand der Verteilung von Chancen und Risiken, die aus dem zu bilanzierenden Vermögensgegenstand erwachsen. Danach setzt die Erlangung des wirtschaftlichen Eigentums aber jedenfalls dann den Übergang der Gefahr des zufĂ€lligen Untergangs voraus, wenn der VerkĂ€ufer eine technische Anlage zu ĂŒbereignen hat, die vom Erwerber erst nach erfolgreichem Abschluss eines Probebetriebs abgenommen werden soll. Eine Kaufpreisvorauszahlung vor Übergang des wirtschaftlichen Eigentums berechtigt nicht zur Annahme einer vorzeitigen Erlangung der wirtschaftlichen VerfĂŒgungsmacht ĂŒber das Wirtschaftsgut.

Wann endet der Abschreibungszeitraum bei der Absetzung fĂŒr Abnutzung?

Die AfA endet, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten abgesetzt sind oder wenn die WirtschaftsgĂŒter aus dem Betrieb ausscheiden (R 7.4 Abs. 8 EStR).

Was versteht man unter steuerlichen AfA Tabellen fĂŒr die Abschreibung?

Die AfA-Tabellen dienen als Hilfsmittel zur SchĂ€tzung der Nutzungsdauer. Sie berĂŒcksichtigen sowohl die technische als auch die wirtschaftliche Nutzungsdauer. Diese Abschreibungstabellen sind zwar weder handels- noch steuerrechtlich verbindlich, da es auf die betriebsindividuellen VerhĂ€ltnisse ankommt. Die AfA-Tabellen sind jedoch von den Finanzgerichten unter dem Gesichtspunkt der Selbstbindung der Verwaltung und im Hinblick auf das Prinzip der GleichmĂ€ĂŸigkeit der Besteuerung nur dann nicht zu beachten, wenn ihre Anwendung im Regelfall zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung fĂŒhren wĂŒrde.

Der BFH ermöglicht in stĂ€ndiger Rechtsprechung eine Abweichung von den in den AfA-Tabellen angegebenen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauern, soweit objektiv nachprĂŒfbare GrĂŒnde fĂŒr eine kĂŒrzere oder lĂ€ngere als die amtlich vorgesehene Nutzungsdauer sprechen.

Dabei habe derjenige, der eine abweichende Nutzungsdauer geltend macht, die hierfĂŒr sprechenden GrĂŒnde substantiiert vorzubringen.



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