Verfahrensdokumentation

Verfahrensdokumentation

Verfahrensdokumentation zu GrundsĂ€tzen zur ordnungsgemĂ€ĂŸen FĂŒhrung und Aufbewahrung von BĂŒchern – GoBD

FĂŒr Unternehmer

Eine Verfahrensdokumentation ist keine KĂŒr, sondern Pflicht!

| Wollen Unternehmen in BetriebsprĂŒfungen keine HinzuschĂ€tzungen riskieren, mĂŒssen sie eine Verfahrensdokumentation vorlegen können, die grundsĂ€tzlich aus einer allgemeinen Beschreibung, einer Anwender-, einer technischen System- und einer Betriebsdokumentation besteht. Die Sonderausgabe zeigt, welche Informationen enthalten sein mĂŒssen und was wie dokumentiert werden muss. |

Vorbemerkungen

Dass eine Verfahrensdokumentation erforderlich ist, ergibt sich aus den „GrundsĂ€tzen zur ordnungsmĂ€ĂŸigen FĂŒhrung und Aufbewahrung von BĂŒchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (kurz: GoBD)“. Dieses Schreiben des Bundesfinanzministeriums (14.11.2014, BStBl I 2014, S. 1450) ist bereits seit Anfang 2015 in Kraft.

Nach Rn. 151 der GoBD muss fĂŒr jedes Datenverarbeitungssystem (DV-System) eine ĂŒbersichtlich gegliederte Verfahrensdokumentation vorhanden sein, aus der Inhalt, Aufbau, Ablauf und Ergebnisse des DV-Verfahrens vollstĂ€ndig und schlĂŒssig ersichtlich sind.

Praxishinweis | Die FinanzĂ€mter fragen oft schon bei Versendung der PrĂŒfungsanordnung, spĂ€testens aber bei Beginn der BetriebsprĂŒfung nach einer Verfahrensdokumentation. Aber: Soweit eine fehlende oder ungenĂŒgende Verfahrensdokumentation die Nachvollziehbarkeit und NachprĂŒfbarkeit nicht beeintrĂ€chtigt, liegt kein formeller Mangel mit sachlichem Gewicht vor, der zum Verwerfen der BuchfĂŒhrung fĂŒhren kann. Das ist in den GoBD in der Rn. 155 ausdrĂŒcklich festgehalten. Dennoch sollte umgehend eine Verfahrensdokumentation erstellt werden, soweit dies noch nicht erfolgt ist. Denn kommt es neben formellen auch zu materiellen Beanstandungen, dĂŒrfte eine fehlende Verfahrensdokumentation „schĂ€tzungserhöhend“ wirken.

Mitarbeiter in die Erstellung einbeziehen

In jedem Betrieb gibt es Organisations- und Arbeitsanweisungen. In vielen kleinen und mittleren Betrieben (KMU) sind sie aber nur mĂŒndlich erteilt oder es gibt nur fĂŒr bestimmte Arbeitsbereiche schriftliche Anweisungen. HĂ€ufig haben sich Mitarbeiter selbst Arbeitsorganisationen geschaffen.

Daher empfiehlt es sich immer, Mitarbeiter in die Überlegungen einzubeziehen. Sie sind es, die das „Erfahrungswissen“ in ihren Köpfen gespeichert haben. Das vorhandene Wissen ist zur Erstellung einer wirklichkeitsnahen Verfahrensdokumentation unbedingt notwendig.

Richtig umgesetzt stellt das Verlangen der Finanzverwaltung, eine Verfahrensdokumentation vorzulegen, fĂŒr alle KMU eine große Chance dar. Können doch durch Prozessbeschreibungen AblĂ€ufe vereinheitlicht und vereinfacht, Strukturen und ZustĂ€ndigkeiten durchdacht und schließlich schriftlich festgehalten werden.

Beachten Sie | Die Erfahrung zeigt: KMU erreichen hierdurch deutliche Einsparungen in vielen Bereichen.

Eine Verfahrensdokumentation muss auch „gelebt“ werden. Abweichungen zwischen der Beschreibung und den tatsĂ€chlichen AblĂ€ufen können nicht nur bei einer steuerlichen BetriebsprĂŒfung zu erheblichen Nachteilen fĂŒhren. Vereinzelt werden auch OpportunitĂ€tsĂŒberlegungen angestellt, in denen die Wahrscheinlichkeit und mögliche Höhe einer ZuschĂ€tzung mit den Kosten zur Erstellung einer Verfahrensdokumentation verglichen werden.

Derartige Spekulationen sind gefÀhrlich, da Steuernachforderungen und Zinsen darauf sowie mögliche strafrechtliche Konsequenzen existenzgefÀhrdend sein können.

Wesentliche Bestandteile einer Verfahrensdokumentation

Trotz der in den GoBD enthaltenen Anforderungen an eine Verfahrensdokumentation gibt es noch genĂŒgend Raum fĂŒr Interpretationen. Die Zielsetzung der Finanzverwaltung scheint klar: Jeder Unternehmer soll seine Verfahrensdokumentation erstellen. Ob sie als geeignet anerkannt wird, entscheidet der jeweilige BetriebsprĂŒfer. „Sicherheit“ wird wohl erst dann vorliegen, wenn sich die Finanzgerichte mit der Ausgestaltung der Verfahrensdokumentation beschĂ€ftigt haben.

Anforderungen nach den GoBD
GoBD Rn. 152: Die Verfahrensdokumentation beschreibt den organisatorisch und technisch gewollten Prozess, z. B. bei elektronischen Dokumenten von der Entstehung der Informationen ĂŒber die Indizierung, Verarbeitung und Speicherung, dem eindeutigen Wiederfinden und der maschinellen Auswertbarkeit, der Absicherung gegen Verlust und VerfĂ€lschung und der Reproduktion.

GoBD Rn. 153: Die Verfahrensdokumentation besteht in der Regel aus einer allgemeinen Beschreibung, einer Anwenderdokumentation, einer technischen Systemdokumentation und einer Betriebsdokumentation.

Belege, Unterlagen und Dokumente in Papierform sind in der Verfahrensdokumentation wie elektronische Dateien zu berĂŒcksichtigen. Der Verzicht auf einen Papierbeleg darf die Möglichkeit der Nachvollziehbarkeit und NachprĂŒfbarkeit nicht beeintrĂ€chtigen (GoBD Rn. 141).

Daraus lassen sich die wesentlichen Inhalte einer Verfahrensdokumentation bestimmen:

Allgemeine Beschreibung der

  • Organisation des Unternehmens,
  • Mitarbeiter-Verantwortlichkeiten (z. B. fĂŒr bestimmte Aufgaben),
  • Mitarbeiter-TĂ€tigkeiten (z. B. fĂŒr bestimmte Aufgaben),
  • TĂ€tigkeitsbereiche.

Anwenderdokumentation (z. B. die Bedienungsanleitung fĂŒr sachgerechte Nutzung der eingesetzten EDV- bzw. IT-Systeme).

Bei der technischen Dokumentation geht es um die Beschreibung der EDV-Umgebung. Zu beantworten sind u. a. folgende Fragen:

  • Welche Software wird genutzt?
  • Welche Hardware, Netzwerke, ASP- oder Cloud-Anwendungen sind im Einsatz?
  • Welche Daten-Strukturen bestehen?
  • Wie arbeiten die einzelnen EDV-Bereiche (z. B. Schnittstellen fĂŒr DatenĂŒbertragungen) zusammen?
  • Wie sind Datenschutz und Datensicherung organisiert?

Bei der Erstellung der Betriebsdokumentation geht es um die Beschreibung der Belegorganisation sowie der Einhaltung der Vorgaben der Software-Programme.

Gerade bei KMU ĂŒberschneiden sich die Bereiche. Da jeder Beleg Auswirkungen auf die Inhalte eines oder mehrerer DV-Systeme haben kann, also Bestandteil eines Vorsystems sein kann, mĂŒssen auch die AblĂ€ufe der Vor- und Nebensysteme beschrieben werden. Die Darstellung muss Struktur, Aufbau und Ergebnisse aller EDV-Verfahren vollstĂ€ndig und schlĂŒssig umfassen.

Als DV-System im Sinne der GoBD gelten insbesondere das HauptbuchfĂŒhrungssystem und die Vor- und Nebensysteme, z. B. AnlagenbuchfĂŒhrung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Kassensysteme, Zahlungsverkehrssystem, GeldspielgerĂ€te sowie die Behandlung und Bearbeitung von Eingangsrechnungen und Ausgangsrechnungen.

Falls vorhanden, gehören auch Systeme wie Taxameter, elektronische Waagen, Materialwirtschaft, Zeiterfassung, Archivsystem und Dokumentenmanagementsystem zu den DV-Systemen.

Beachten Sie | Soweit Schnittstellen zwischen den DV-Systemen bestehen, sind diese zu beschreiben.

Internes Kontrollsystem

FĂŒr die Einhaltung der Ordnungsvorschriften fĂŒr die BuchfĂŒhrung und fĂŒr Aufzeichnungen mĂŒssen Steuerpflichtige Kontrollen einrichten, ausĂŒben und protokollieren (z. B. Zugangs- und Zugriffsberechtigungskontrollen).

Die konkrete Ausgestaltung des Kontrollsystems ist abhÀngig von der KomplexitÀt und Diversifikation der GeschÀftstÀtigkeit, der Organisationsstruktur sowie des DV-Systems.

Merke | Die Beschreibung des fĂŒr jeden Unternehmer unverzichtbaren internen Kontrollsystems (IKS) ist Bestandteil der Verfahrensdokumentation (vgl. Rn. 102 der GoBD).

Ein funktionierendes IKS kann auch bei Fehlerberichtigungen des Steuerpflichtigen von enormer Bedeutung sein. Hier stellt sich nĂ€mlich oft die Frage, ob eine „einfache“ Berichtigung nach § 153 der Abgabenordnung (AO) genĂŒgt oder ob eine Selbstanzeige nach § 371 AO erforderlich ist.

Hierzu heißt es in Rn. 2.6 des Anwendungserlasses zu § 153 AO: „Hat der Steuerpflichtige ein innerbetriebliches Kontrollsystem eingerichtet, das der ErfĂŒllung der steuerlichen Pflichten dient, kann dies ggf. ein Indiz darstellen, das gegen das Vorliegen eines Vorsatzes oder der Leichtfertigkeit sprechen kann, jedoch befreit dies nicht von einer PrĂŒfung des jeweiligen Einzelfalls.“ Ein IKS ist also unverzichtbar.

Zeitrahmen der EinfĂŒhrung einer Verfahrensdokumentation

Seit dem Inkrafttreten der GoBD, das ist der 1.1.2015, muss eine Verfahrensdokumentation vorliegen. Falsch sind vor allem im Internet verbreitete Hinweise auf Schonfristen bezĂŒglich eines spĂ€teren Inkrafttretens.

Bei BetriebsprĂŒfungen wird offenbar vereinzelt die Ansicht vertreten, die Verpflichtung zur Vorlage einer Verfahrensdokumentation bestehe schon seit Inkrafttreten der GoBS (GrundsĂ€tze ordnungsmĂ€ĂŸiger DV-gestĂŒtzter BuchfĂŒhrungssysteme vom 7.11.1995 [BStBl I 2015, S. 738], in Kraft getreten am 14.12.1995).

Aus einer Nichtvorlage der Verfahrensdokumentation fĂŒr die Zeit vor dem 1.1.2015 fĂŒr den jeweiligen Unternehmer nachteilige Folgen anzunehmen, dĂŒrfte nach der hier vertretenen Auffassung eine unzulĂ€ssige rĂŒckwirkende VerschĂ€rfung darstellen. Denn der im Übrigen nur die Finanzverwaltung bindende Hinweis in der Rn. 155 der GoBD (vgl. hierzu die AusfĂŒhrungen unter 1.) ist erst am 1.1.2015 in Kraft getreten.

Daran Ă€ndert es auch nichts, dass der Begriff „Verfahrensdokumentation“ in den GoBS vom 7.11.1995 mehrfach genannt wurde. Denn weder die Finanzverwaltung noch die Unternehmer und deren Berater konnten genau beurteilen, was hierunter zu verstehen ist. Noch viel weniger mussten Unternehmer mit derart einschneidenden Folgen rechnen. Im Übrigen ist selbst bei der Rechtslage seit dem 1.1.2015 derzeit nicht gewiss, was die Finanzverwaltung unter „ungenĂŒgender Verfahrensdokumentation“ im Einzelfall versteht.

Besonderes Augenmerk erlangt die Verfahrensdokumentation auch vor der ab 1.1.2018 möglichen Kassen-Nachschau.

Hintergrund: Die Kassen-Nachschau ist ein eigenstĂ€ndiges Verfahren zur zeitnahen AufklĂ€rung steuererheblicher Sachverhalte, u. a. im Zusammenhang mit der ordnungsgemĂ€ĂŸen Erfassung von GeschĂ€ftsvorfĂ€llen. Die Kassen-Nachschau erfolgt grundsĂ€tzlich beim Steuerpflichtigen durch einen AmtstrĂ€ger der Finanzbehörde – und zwar ohne vorherige AnkĂŒndigung und außerhalb einer AußenprĂŒfung.

In dem Entwurfsschreiben des Bundesfinanzministeriums zum Anwendungserlass zu § 146b AO (= Kassen-Nachschau) heißt es u. a. „Auf Anforderung des AmtstrĂ€gers (ist) die Verfahrensdokumentation … vorzulegen, …“ Es ist damit zu rechnen, dass die Finanzbeamten hiervon Gebrauch machen werden. Mögliche Folgen einer Nichtvorlage sind derzeit noch nicht bekannt.

Eine schriftliche Verfahrensdokumentation fehlt – was tun?

Liegt keine schriftliche Verfahrensdokumentation vor, dĂŒrfte es zielfĂŒhrend sein, möglichst umgehend mit der Erstellung unter BerĂŒcksichtigung der aktuellen AblĂ€ufe im Unternehmen zu beginnen.

Hierbei kann es sehr hilfreich sein, sich auf alle vorhandenen Beschreibungen (vergleiche auch unter 2.) zu stĂŒtzen und diese als Basis zu verwenden. In Betracht kommen beispielsweise:

1 Vorhandene schriftliche Arbeits- und Organisationsanweisungen (in manchem nicht beachteten Ordner mit derartigen Dokumenten findet man mitunter Regelungen, an die man gar nicht mehr gedacht hat, die aber im Unternehmen immer noch gĂŒltig sind),

2 Niederschrift aller mĂŒndlich erteilten und im Unternehmen „gelebten“ Organisationsanweisungen,

3 von Mitarbeitern individuell erzeugte Notizen ĂŒber BetriebsablĂ€ufe (z. B. als Arbeitshilfe fĂŒr Urlaubs- und Krankheitsvertretungen),

4 Niederschriften ĂŒber besondere ArbeitsablĂ€ufe,

5 Heranziehung von EDV–Programmbeschreibungen,

6 BerĂŒcksichtigung von EDV-Bedienungsanleitungen (z. B. zum Ablauf der Datensicherung),

7 Heranziehung der Sicherheitsrichtlinien und des EDV-Sicherheitskonzepts.

Merke | Diese Liste wird je nach Unternehmen kĂŒrzer oder lĂ€nger sein und auch viele nicht benötigte Informationen enthalten. Daher ist sie an den von der Finanzverwaltung geforderten Umfang einer Verfahrensdokumentation anzupassen.

Wichtig ist bei der Verfahrensdokumentation insbesondere, dass sie

  • vollstĂ€ndig ist,
  • klare Strukturen enthĂ€lt und
  • widersprĂŒchliche Anweisungen oder Beschreibungen vermeidet.

Beachten Sie | Fehlende Ablaufbeschreibungen mĂŒssen Zug um Zug erarbeitet und eingefĂŒgt werden.

Fehlende oder ungenĂŒgende Verfahrensdokumentation

Sanktioniert werden kann eine fehlende oder ungenĂŒgende Verfahrensdokumentation.

Es liegt immer eine Art Verfahrensdokumentation vor. Der Begriff „Fehlen“ kann sich also nur darauf beziehen, dass keine schriftliche Verfahrensdokumentation vorliegt. Wenn hierdurch die Nachvollziehbarkeit und NachprĂŒfbarkeit nicht beeintrĂ€chtigt ist, liegt kein formeller Mangel vor. Dieses Argument wird natĂŒrlich bei zunehmender Digitalisierung immer schwĂ€cher.

Die Entscheidung liegt beim jeweiligen BetriebsprĂŒfer. Es wird von einfacheren FĂ€llen berichtet, in denen dem PrĂŒfer die AblĂ€ufe mĂŒndlich erklĂ€rt wurden, sodass er seine PrĂŒfung in angemessener Zeit durchfĂŒhren konnte. Hier erfolgte dann aber auch der – unbedingt zu beachtende – Hinweis, dass bei der nĂ€chsten PrĂŒfung eine schriftliche Verfahrensdokumentation vorgelegt werden muss.

Bei der Annahme einer ungenĂŒgenden Verfahrensdokumentation wird man darĂŒber befinden mĂŒssen, ob sie – gegebenenfalls zusammen mit ergĂ€nzenden ErlĂ€uterungen – doch noch ausreicht.

Selbst wenn man nach bestem eigenen Ermessen eine „genĂŒgende“ Verfahrensdokumentation erstellt hat, kann es vorkommen, dass der BetriebsprĂŒfer diese als ungenĂŒgend bezeichnet und als Folge die BuchfĂŒhrung verwerfen möchte.

Praxishinweis | Wie so oft im Steuerrecht kommt es auf den jeweiligen Einzelfall an. Da klare Vorgaben seitens der Finanzverwaltung fehlen, bleibt es wohl der Rechtsprechung vorbehalten, fĂŒr „weitere“ Klarheit zu sorgen.

RĂŒckwirkende Erstellung und Versionierung

In Rn. 154 der GoBD verlangt die Finanzverwaltung, dass die Verfahrensdokumentation bei Änderungen zu versionieren und eine nachvollziehbare Änderungshistorie vorzuhalten ist.

FĂŒr die Zukunft bedeutet das, dass man sich einen Erinnerungstermin (zum Beispiel nach sechs oder lĂ€ngstens nach zwölf Monaten) vormerkt, zu dem die bisherige Version ĂŒberprĂŒft und gegebenenfalls durch eine neue ersetzt wird. Hierbei handelt es sich um eine Vollversion, die alle Änderungen enthĂ€lt. Die bisherige Version muss, versehen mit GĂŒltigkeitsdatum, aufbewahrt werden.

Bei einer Erstellung fĂŒr die Vergangenheit ist zu beachten, dass formelle MĂ€ngel mit sachlichem Gewicht grundsĂ€tzlich nicht rĂŒckwirkend behoben werden können.

Die Verfahrensdokumentation muss wahr sein

Die Verfahrensdokumentation muss verstĂ€ndlich und damit fĂŒr einen sachverstĂ€ndigen Dritten in angemessener Zeit nachprĂŒfbar sein (GoBD, Rn. 151).

Vor allem muss die Verfahrensdokumentation wahr sein. Es wĂ€re ein großer Fehler, wenn dort Prozesse anders beschrieben sind, als sie in der Praxis ablaufen. Der PrĂŒfer wĂŒrde in einem solchen Fall wohl zu Recht einwenden können, dass er durch derartige Falschinformationen in seiner PrĂŒfung behindert wurde.

Daher sollte nach der erstmaligen EinfĂŒhrung der Verfahrensdokumentation in zunĂ€chst kurzen Zeitabschnitten ĂŒberprĂŒft werden, ob alles tatsĂ€chlich so ablĂ€uft, wie es beschrieben wurde. Wenn nein, gibt es zwei Möglichkeiten:

1 Die AblĂ€ufe werden an die Beschreibungen angepasst. Denn schließlich hat man sich ja bei der Erstformulierung etwas gedacht und auch vorgenommen.

2 Die Verfahrensdokumentation wird an die tatsÀchlichen AblÀufe angepasst, weil man inzwischen bessere Erkenntnisse hat. GrundsÀtzlich muss dann aber eine neue Version erstellt werden.

Beachten Sie | Die ÜberprĂŒfungsintervalle können nach der EinfĂŒhrungszeit verlĂ€ngert werden.

Muster-Verfahrensdokumentation

Eine Verfahrensdokumentation „per Knopfdruck“ ist nicht möglich. Um die Prozesse verstĂ€ndlich darzustellen, sind schon etwas Zeit und Akribie notwendig. Die Ausgestaltung hĂ€ngt u. a. auch von der jeweiligen Branche und der vorhandenen Digitalisierung ab.

Checklisten und Muster dĂŒrften aber zumindest fĂŒr Arbeitserleichterung sorgen. An dieser Stelle soll exemplarisch auf zwei Muster-Verfahrensdokumentationen hingewiesen werden:

  • Muster-Verfahrensdokumentation zur Digitalisierung und elektronischen Aufbewahrung von Belegen inkl. Vernichtung der Papierbelege (gemeinsam erarbeitet durch die Bundessteuerberaterkammer und den Deutschen Steuerberaterverband e. V., unter www.iww.de/s343).
  • AWV Muster-Verfahrensdokumentation zur Belegablage (erstellt durch den Arbeitskreis „Auslegung der GoB beim Einsatz neuer Organisationstechnologien“ der Arbeitsgemeinschaft fĂŒr wirtschaftliche Verwaltung e. V., unter www.iww.de/sl1716).

Die nachfolgende Tabelle ist ein aufbereiteter Auszug aus der AWV Muster-Verfahrensdokumentation zur Belegablage (dort unter 3.2).

ZustÀndigkeiten bei der Belegablage
Das Verfahren der Belegablage ist im Kapitel … in seinen Einzelschritten dargestellt. Im Folgenden werden die Mitarbeiter benannt, die jeweils zur DurchfĂŒhrung einzelner Verarbeitungsschritte eingewiesen und autorisiert sind.
TĂ€tigkeit Name, Vorname*
Posteingang (konventionell in Papierform; zum digitalen Posteingang – insbesondere per E-Mail – vgl. unter …) und Vorsortierung der relevanten Dokumente
Identifikation der Belege inkl. PrĂŒfung auf Echtheit (buchfĂŒhrungs-/aufzeichnungspflichtige und somit aufbewahrungspflichtige Dokumente in Papierform als auch originĂ€r digital eingehende Dokumente)
PrĂŒfung der eingehenden Rechnungen (insbesondere auch elektronische Rechnungen) im Hinblick auf die VollstĂ€ndigkeit und Richtigkeit (insbesondere Pflichtangaben des § 14 Abs. 4 UStG) und im Hinblick auf die korrekte Übermittlung bei elektronischen Rechnungen (GewĂ€hrleistung der Echtheit der Herkunft, der Unversehrtheit des Inhalts sowie der Lesbarkeit)
Digitalisierung von ursprĂŒnglich im Original in Papierform eingegangenen Dokumenten
Ablage der Belege in der vorgesehenen Ordnung
Aufbereitung der Belege fĂŒr die weitere Bearbeitung, insbesondere Buchung
Weitergabe und/oder Entgegennahme/RĂŒcknahme von Belegen an bzw. von Dritte(n) fĂŒr Zwecke der (Aufbereitung, Buchung und/oder Archivierung)
Archivierung der Belege nach der Erfassung in Grund(buch)aufzeichnungen oder Buchungen
Die postalische Entgegennahme, Identifikation, Ablage, Aufbereitung und Archivierung von Dokumenten mit Belegfunktion, die laut unternehmensinterner Vorgaben (vgl. Anlage … ) als besonders schutzwĂŒrdig gelten, ist nur folgenden Personen gestattet

Die Ablage erfolgt in diesen FÀllen gesondert (auf einem eigenen Export-Datenpfad, der Zugang auf diesen ist nur diesen Personen gestattet, zur Sicherstellung dient (Verfahren, z. B. Login)). ZusÀtzlich sind die Dokumente individuell mit einem Passwortschutz zu versehen. Der Passwortschutz wird durch [Programmname, Version] sichergestellt.

Freigabe zur Vernichtung von Papierbelegen (nicht vor Ablauf der Aufbewahrungsfrist)
Die Vernichtung der originÀren Papierbelege erfolgt durch (interne Stelle/externen Dienstleister)
Freigabe zur Löschung der digitalen ArchivbestÀnde (nicht vor Ablauf der Aufbewahrungsfrist)
Löschung der digitalen ArchivbestÀnde

* ggf. Personalnummer oder Organisationseinheit bzw. Funktion im Unternehmen

Haftungsausschluss

Der Inhalt des Rundschreibens ist nach bestem Wissen und Kenntnisstand erstellt worden. Die KomplexitĂ€t und der stĂ€ndige Wandel der Rechtsmaterie machen es notwendig, Haftung und GewĂ€hr auszuschließen. Das Rundschreiben ersetzt nicht die individuelle persönliche Beratung.



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