Verrechnungspreise: Welche Methoden der Ermittlung gibt es?

Verrechnungspreise: Welche Methoden der Ermittlung gibt es?

Was sind Verrechnungspreise? Welche Methoden der Verrechnungspreisermittlung gibt es?

Was sind Verrechnungspreise?

Verrechnungspreise sind die Entgelte, mit denen Lieferungen und Leistungen zwischen verschiedenen Konzernunternehmen bewertet werden. Dabei liegt der Fokus auf einer marktgerechten Aufteilung zwischen den Gesellschaften, da nicht der Konzern als Ganzes mit seinem Ergebnis vor Steuern der lokalen Besteuerung unterliegt, sondern jede einzelne Gesellschaft als Steuersubjekt.

In Deutschland spielt steuerlich das Thema verdeckte Gewinnabgrenzung mit rein, international wird dies zumeist ĂŒber das Außensteuergesetz geregelt. Bei beidem innewohnend ist die Aufteilung der VergĂŒtung vor dem Hintergrund des Fremdvergleichs.

Wie man sich bei den einleitenden SĂ€tzen schon denken kann besteht ein hohes Potential die Gewinne von Unternehmen innerhalb Deutschlands bzw. weltweit zu steuern um so die Steuerquote zu optimieren.

Der Fremdvergleichsgrundsatz ist bei der Verrechnungspreisermittlung aller grenzĂŒberschreitenden GeschĂ€ftsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen zu beachten. Betroffen sind damit nicht nur Warenlieferungen, sondern auch Dienstleistungen, Kostenumlagen, Finanzierungen, die Überlassung von immateriellen WirtschaftsgĂŒtern wie Marken, Patente und Know-how als auch Mitarbeiterentsendungen, etc.

Die PrĂŒfung von grenzĂŒberschreitenden Verrechnungspreisen und der Einhaltung des Fremdvergleichs ist zu einem Kerngebiet steuerlicher BetriebsprĂŒfungen avanciert. Wenngleich die BetriebsprĂŒfung grundsĂ€tzlich die Beweislast fĂŒr die Nichteinhaltung des Fremdvergleichsgrundsatzes trĂ€gt, sorgen die umfangreichen Dokumentationspflichten fĂŒr die erforderliche Transparenz der Verrechnungspreisbildung.

Welche Methoden fĂŒr die Fremdvergleichsermittlung gibt es?

Vergleichbarkeitsanalyse als Ausgangspunkt jedes Fremdvergleichs

Den Ausgangspunkt fĂŒr die Bestimmung fremdvergleichskonformer Verrechnungspreise bildet regelmĂ€ĂŸig eine Funktions- und Risikoanalyse (Vergleichbarkeitsanalyse)

Zentraler Bestandteil dieser Vergleichbarkeitsanalyse ist eine Funktions- und Risikoanalyse, welche eine Untersuchung der Funktionen, die die beteiligten Unternehmen auf die konkrete GeschĂ€ftsbeziehung ausĂŒben. Ein Fokus hierbei sind die von diesen getragenen Risiken und die Feststellung der jeweils eingesetzten Produktionsmittel zum Gegenstand hat.

Neben der Funktionsverteilung zwischen den verbundenen GeschĂ€ftspartnern ist somit die Risikoverteilung von eminenter Wichtigkeit. Angesichts der rechtlichen SelbststĂ€ndigkeit der Transaktionspartner werden Risiken regelmĂ€ĂŸig vertraglich geregelt. Dabei muss zunĂ€chst bei einer solchen Analyse der Risiken auf die vertraglich definierten Risikoprofile fokussiert werden. Daneben kann sich die Risikoverteilung aus anderen schriftlichen VertrĂ€gen, aus schriftlicher Korrespondenz und anderweitiger (nicht-schriftlicher) Kommunikation, dem allgemeinen Handelsbrauch sowie dem speziellen Unternehmensbrauch zwischen den verbundenen Unternehmen ergeben. Schließlich kann die Risikoverteilung – insbesondere bei Fehlen schriftlicher Vereinbarungen – aus der tatsĂ€chlichen DurchfĂŒhrung der vertraglichen Beziehungen und ökonomischen Prinzipien abgeleitet werden. Dabei kommt es bei nahestehenden Unternehmen immer darauf an, was der wirtschaftliche Gehalt der ausgeĂŒbten TĂ€tigkeit des einzelnen Unternehmens ist.

Methoden der Verrechnungspreise

Der „Fremdvergleich“ ist der zentrale Maßstab fĂŒr die Ermittlung des „richtigen“ Verrechnungspreises. Die verschiedenen zur VerfĂŒgung stehenden Ermittlungsmethoden haben deshalb alle gemein, dass ein Fremdvergleich stattzufinden hat. HierĂŒber herrscht auch international Einigkeit. Dabei kann grundsĂ€tzlich zwischen Ă€ußerem Fremdvergleich oder innerem Fremdvergleich unterschieden werden.
Beim Ă€ußeren Fremdvergleich erfolgt der Vergleich mit Preisen, die zwischen völlig fremden Unternehmen zustande gekommen sind (Börsennotierungen, branchenĂŒbliche Preise, einzelne VertragsabschlĂŒsse). Beim inneren Fremdvergleich wird dagegen nicht auf fremde Unternehmen abgestellt, sondern es werden Preise zugrunde gelegt, die das Unternehmen selbst mit fremden Unternehmen vereinbart hat. Diese Preise werden dann auch den Leistungsbeziehungen mit nahestehenden Personen zugrunde gelegt.

Ein Fremdvergleich setzt dabei jedoch immer voraus, dass zwischen den verglichenen Transaktionen und Unternehmen auch Vergleichbarkeit gegeben ist. Die Vergleichbarkeit bezieht sich insbesondere auf Vertragskonditionen, Zölle/Steuern, QualitĂ€t der Leistung, UnternehmensgrĂ¶ĂŸe oder Unternehmensimage. Eine solche Vergleichbarkeit ist dabei jedoch nicht immer uneingeschrĂ€nkt gegeben.
Aus diesem Grund werden drei verschiedene Varianten des Fremdvergleichs unterschieden. Wenn möglich wird ein direkter Fremdvergleich durchgefĂŒhrt. Bei eingeschrĂ€nkter Vergleichbarkeit muss jedoch auf den indirekten Fremdvergleich ausgewichen werden. Sind gar keine vergleichbaren Daten verfĂŒgbar, besteht nur die Möglichkeit des sog. hypothetischen Fremdvergleichs. In allen FĂ€llen lĂ€sst sich dabei meist nicht ein Fremdvergleichspreis, sondern lediglich eine Bandbreite verschiedener
Preise ermitteln.

GrundsÀtzlich existieren zwei Hauptmethodengruppen:

  • transaktionsbezogene Standardmethoden
  • gewinnbezogene Methoden

Transaktionsbezogene Methoden der Verrechnungspreise

Die „transaktionsbezogenen Standardmethoden“ sind von der OECD vorgegeben und auch im deutschen Recht vorrangig vor den gewinnbezogenen Methoden zu verwenden. Nur falls ein Fremdvergleich mit einer der Standardmethoden ausnahmsweise nicht möglich sein sollte, lĂ€sst die Finanzverwaltung auch die Anwendung von gewinnorientierten Methoden zu.Der Steuerpflichtige hat grundsĂ€tzlich ein Auswahlermessen bezĂŒglich der Standardmethode, anhand derer er einen Verrechnungspreis bestimmt. Allerdings sind einzelne Verfahren fĂŒr bestimmte Leistungsarten besser geeignet, so dass diese aus ZweckmĂ€ĂŸigkeitsgesichtspunkten zu bevorzugen sind und sich ein ordentlicher und gewissenhafter GeschĂ€ftsfĂŒhrer daran orientieren wĂŒrde. An eine zulĂ€ssige Methodenwahl durch den Steuerpflichtigen ist die Finanzverwaltung gebunden.

Preisvergleichsmethode bei der Ermittlung des Verrechnungspreises (comparable uncontrolled price method)

Anhand der Preisvergleichsmethode wird der Verrechnungspreis aus Preisen, die bei vergleichbaren GeschÀften zwischen unabhÀngigen Dritten am Markt vereinbart
worden sind, abgeleitet.

Als Vergleichsmaßstab zu der zu beurteilenden konzerninternen Transaktion werden identische GeschĂ€fte herangezogen, die zwischen nicht verbundenen Unternehmen am Markt getĂ€tigt wurden.

Dabei ist ein Ă€ußerer oder ein innerer Preisvergleich denkbar. Beim Ă€ußeren Preisvergleich werden GeschĂ€ftsbeziehungen zwischen fremden Unternehmen betrachtet; der innere Preisvergleich stellt dagegen auf GeschĂ€ftsbeziehungen des eigenen zu fremden Unternehmen ab. Die GeschĂ€fte, die die Vergleichsgrundlage bilden, mĂŒssen dazu „vergleichbar“ sein, wobei jedoch keine völlige IdentitĂ€t verlangt wird. Art und QualitĂ€t der Leistung, die ĂŒbernommenen Funktionen und Risiken, die allgemeinen  MarktverhĂ€ltnisse, die vereinbarten Vertrags- und Lieferbedingungen sowie die GeschĂ€ftsstrategien und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen der GeschĂ€ftspartner sind dabei die Hauptbestimmungsfaktoren der Vergleichbarkeit. Grundlage dieser Vergleichbarkeitsanalyse stellt die Funktions- und Risikoanalyse dar.

Voraussetzung fĂŒr die Anwendung der Preisvergleichsmethode ist, dass die notwendige Vergleichbarkeit hergestellt werden kann.

Wiederverkaufsmethode bei der Ermittlung des Verrechnungspreises (resale price method)

Die Wiederverkaufspreismethode, auch Absatzpreismethode genannt, geht vom Wiederverkaufspreis des LeistungsempfÀngers an fremde Dritte aus. Dabei wird dieser
Wiederverkaufspreis um einen marktĂŒblichen Abschlag (Rohgewinnmarge = Verkaufserlös abzgl. Einkaufspreis) vermindert. Dieser Abschlag muss die Funktionen und
die Risiken des WiederverkÀufers fremdvergleichskonform abgelten. Der verbleibende Betrag ist der zu zahlende Verrechnungspreis.

Die Rohgewinnmarge sowie weitere AbschlĂ€ge können wiederum durch einen inneren oder einen Ă€ußeren Preisvergleich ermittelt werden. Um die Vergleichbarkeit der
AbschlĂ€ge sicherzustellen, dĂŒrfen keine wesentlichen Unterschiede zwischen den betrachteten Transaktionen oder Unternehmen bestehen, die Einfluss auf die Rohgewinnmarge nehmen.

Die Wiederverkaufspreismethode eignet sich ĂŒberwiegend fĂŒr Unternehmen im Vertriebsbereich. Dem Vertriebsunternehmen wird dabei unabhĂ€ngig vom Gesamtergebnis immer eine feste Marge zugewiesen.

Kostenaufschlagsmethode bei der Ermittlung des Verrechnungspreises (cost plus method)

Bei der Kostenaufschlagsmethode wird die Summe der Selbstkosten des liefernden bzw. leistenden Unternehmens um einen betriebs- oder branchenĂŒblichen Gewinnaufschlag erhöht.

Die Selbstkosten werden wie bei der Preispolitik gegenĂŒber Dritten nach allgemein anerkannten betriebswirtschaftlichen GrundsĂ€tzen ermittelt. GrundsĂ€tzlich ist
von Vollkosten auszugehen; in AusnahmefĂ€llen kommen Grenz- oder Teilkosten in Betracht. FĂŒr die Ermittlung des Gewinnaufschlages ist wiederum ein Fremdvergleich
zugrunde zu legen. Auch hier mĂŒssen die Vergleichbarkeitsvoraussetzungen erfĂŒllt sein. Falls keine Vergleichsdaten vorgelegt werden können, besteht auch hier die
Möglichkeit, auf entsprechende Datenbankanalysen zurĂŒckzugreifen.

Die Kostenaufschlagsmethode eignet sich gut fĂŒr Beziehungen mit Lohnfertigern oder anderen Subunternehmern, die lediglich Auftragsarbeiten oder -dienstleistungen ausfĂŒhren. Auch der Einkauf von unfertigen Erzeugnissen kann mit Hilfe der Kostenaufschlagsmethode bewertet werden. Hauptanwendungsbereich der Kostenaufschlagsmethode dĂŒrfte allerdings die Ermittlung von Verrechnungspreisen interner Serviceleistungen (Personalgestellung, Buchhaltungsleistungen, DarlehensgewĂ€hrung) sein.

Gewinnorientierte Methoden der Verrechnungspreisermittlung

Diese Verrechnungspreismethoden können nur dann angewendet werden, wenn die Standardmethoden im vorliegenden Fall aufgrund mangelnder Fremdvergleichswerte zu keinem fremdĂŒblichen Ergebnis fĂŒhren. Warum die gesetzlich vorgegebenen Standardmethoden im vorliegenden Fall nicht anwendbar sind, ist im Rahmen der
Verrechnungspreisdokumentation zu erlÀutern.

Gewinnaufteilungsmethode (Profit split method)

Die Anwendung der Gewinnaufteilungsmethode bietet sich vor allem bei Transaktionen an, bei denen beide (oder mehrere) verbundene Unternehmen Àhnlich stark zum
Wertschöpfungsprozess des Produktes beitragen oder sie sich die Risiken teilen. Dadurch wird die Zuordnung der StrategiefĂŒhrerschaft nicht möglich. Der gemeinsame
Gewinn wird auf Basis des jeweiligen Wertschöpfungsbeitrages auf die beteiligten Unternehmen aufgeteilt. Als AufteilungsschlĂŒssel wird hĂ€ufig das investierte Kapital
herangezogen. Als Voraussetzung der Gewinnaufteilungsmethode muss eine genaue Analyse des Wertschöpfungsprozesses durchgefĂŒhrt werden.

Transaktionsbezogene Nettomargenmethode (Transactional net margin method)

Die transaktionsbezogene Nettomargenmethode untersucht den Nettogewinn, den ein Unternehmen aus einer konzerninternen Transaktion erzielt und setzt ihn ins VerhĂ€ltnis zu einer geeigneten BezugsgrĂ¶ĂŸe (z. B. den Umsatz, Kosten
). Daraus ergibt sich die Nettomarge. Anhand dieser soll die FremdvergleichskonformitĂ€t bewiesen werden. Sie sollte im Idealfall der Nettomarge entsprechen, die das Unternehmen bei vergleichbaren FremdgeschĂ€ften erzielt. Ist dieser Vergleich nicht möglich, soll sie der
Nettomarge entsprechen, die unabhÀngige Unternehmen bei vergleichbaren Transaktionen erzielen.



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